Die Freie Universität Berlin will ihre Lehrinhalte im Internet bereitstellen. So weit so gut. Allerdings soll diese Bereitstellung exklusiv über Itunes erfolgen. Wo auch sonst, als bei Apple, dem Synonym für Informationsfreiheit. Ich hoffe allen ist die Brisanz dieses Falls bewusst. Da wird mit Steuergeldern Lehre und Forschung betrieben, und das Produkt dieser Arbeit wird exklusiv einem privatwirtschaftlichen Unternehmen übertragen. Und die bestimmen dann über ihre rottige Itunes-Software, die nebenbei gesagt nicht für freie Betriebssysteme wie Linux zur Verfügung steht, wer in den Genuss der Bildung kommt. Aber es kommt noch schlimmer: Die Universitätsleitung fordert die Dozenten explizit von der Nutzung anderer externer Internetplattformen zur Verbreitung von aufgezeichneten Lehrveranstaltungen und audiovisuellen Materialien abzusehen
. Sprich: Das Kollegium soll auf Linie gebracht und wirklich freien Bildungsplattformen der Gar ausgemacht werden. Für eine Einrichtung, die für Freiheit von Bildung und Forschung steht ist das eine Schande!
Ich beobachte das bereits seit einiger Zeit überaus kritisch. So versucht Apple seit Jahren mit erheblichem Aufwand im Bildungssektor Fuß zu fassen, indem das Unternehmen den Schulen ihre normalerweise extrem überteuerten Technikspielzeuge zum Sonderpreis anbietet und dann über die Hintertür an der Verbreitung und dem Verkauf von Lehrmaterialien über Itunes profitiert. Der absolute Gipfel der Verblendung sind sogenannte „Ipad-Klassen“, die es inzwischen sogar an staatlichen Schulen gibt. Dort kaufen die Eltern ihren Kindern kein Schulbuch mehr, sondern Tablets mit angebissenem Obst. Neue Medien im Unterricht sind ja schön und gut. Aber statt unsere Kinder in der Nutzung freier und quelloffener Software zu schulen, werden die Kleinen schon im Grundschulalter im Sinne eines Unternehmens indoktriniert. Ich als angehender Lehrer werde mich jedenfalls nicht an dieser Antibildung beteiligen. Es würde mich nicht wundern, wenn die Bildungspolitiker und Direktoren, die das zu verantworten haben, selbst Apple-Produkte zum „Vorzugspreis“ erhalten haben. Pfui.