Neuigkeiten vom 29. Januar 2012
Und hier wieder die Linksammlung zum Wochenende:
Das wichtigste zuerst. Liebe Facebook-Nutzer, die Datenkrake Eures Vertrauens führt demnächst das tolle Feature der Timeline für Euch alle verpflichtend ein. Bisher gab’s das nur auf freiwilliger Basis zum Testen. Künftig sollen aber all Eure digitalen Lebensäußerungen auf einem virtuellen Zeitstrahl gespeichert werden. Ihr müsst nichts dafür tun – Facebook kümmert sich selbstständig um die Führung Eures Tagebuchs. Und die Funktionen werden stetig erweitert. Wenn demnächst ein Freund Fotos von seiner Feier hochläd, auf denen die automatische Gesichtserkennung Euch identifiziert, kann künftig automatisch in Eurer Timeline vermerkt werden, dass Ihr auf der Feier wart und (dank der EXIF-Daten der JPG) auch wann und wo diese stattgefunden hat. Aber selbstverständlich behaltet Ihr die volle Kontrolle über Eure Daten, Ehrenwort. Löschen könnt Ihr das (wie generell alle Daten auf Facebook) selbstverständlich nicht. Dennoch rate ich Euch dringend, Euren Account zumindest zu deaktivieren, um den permanenten Abfluss weiterer Daten zu unterbinden. In diesem Sinne: Handynummern und E-Mailadressen besorgen und dann nichts wie raus da.
Die zweite Leseempfehlung kommt von der Zeit. Die hat sich mal die Mühe gemacht und unter dem Titel Spitzel, Wanzen, Bomben – Chronik einer Behörde
alle größeren Affären des Verfassungsschutzes seit dessen Gründung zusammengetragen. Das Fazit ist wenig überraschend: Die Chronique scandaleuse des Verfassungsschutzes seit 1950 zeigt vor allem eins: Er ist überflüssig und gehört schleunigst abgeschafft
. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Dann erinnert sich der ein oder andere vielleicht noch an Malte Spitz’ Grimme-prämierte Aufarbeitung seiner persönlichen Vorratsdaten. Nun mag man meinen, dass derlei Datensammlungen nicht mehr angelegt werden, nachdem das Verfassungsgericht die Vorratsdatenspeicherung verboten hat. Umso ernüchternder ist das Ergebnis seiner neuerlichen Anfrage: Die Vorratsdatenspeicherung geht weiter wie bisher, lediglich die Speicherdauer ist teilweise etwas geringer. Dafür werden nach wie vor sensible Geodaten gespeichert, die für Abrechnungszwecke uninteressante sind. Apropos Vorratsdatenspeicherung: Der CCC hat eine wissenschaftliche Studie des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht zugespielt bekommmen, die belegt, dass sich die Vorratsdatenspeicherung nachweislich nicht positiv auf die Verbrechensaufklärungsquoten auswirkt und die seit ihrem Wegfall angeblich bestehende Schutzlücke
durch kriminologische Statistiken nicht belegt werden kann.
Auch aus Berlin gibt’s Neues. Als eine der ersten Amtshandlungen will unser neuer Innensenator Frank Henkel (CDU) die Berliner Polizei mit Staatstrojanern versorgen. Das erworbene Produkt belastet die chronisch klamme Kasse der hochverschuldeten Hauptstadt mit 260.000 Euro. Die Zuwendungen für die Obdachlosen-Ambulanz in Höhe von 100.000 Euro und der Hygienecontainer für Obdachlose (jährliche Unterhaltskosten: 11.000 Euro) wurden hingegen gestrichen. Da weiß man, wo die Prioritäten liegen (Vgl. auch die Abfindung für Michael Braun).
Abschließend noch eine Warnung an die Aufrührer unter meiner Leserschaft. Für das Ankündigen einer Revolution auf Facebook kann man schon mal vom Sondereinsatzkommando überwältigt und in die Klappsmühle gebracht werden. So geschehen in Wiesbaden, wo ein 18-Jähriger von seinem Mitschüler denunziert wurde und die Schulleitung lieber die Polizei rief, anstatt den Schüler zur Rede zu stellen.


